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Aus der Neuen Solidarität Nr. 47/2003

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Leseprobe:

Scotophorus (Dunkelheitsträger) anstatt Phosphorus (Lichtträger) entdeckt

- oder merkwürdiger Versuch über die Wirkung der Sonnenstrahlen

Von Johann Heinrich Schulze

Oft lernen wir durch Zufall, was wir durch Nachdenken und zielbewußte Arbeit kaum gefunden hätten. So ging es auch mir, da ich anderes suchte und betrieb, daß ich fand, was ich nicht erhoffte. Der freundliche Leser möge selbst beurteilen, ob ich etwas Verdienstliches tue, wenn ich dem Wißbegierigen den ganzen Sachverhalt mitteile und ihm denselben zur weiteren Untersuchung überantworte. Die Anmaßung des Titels werden billige Richter wohl nachsehen. Denn aus keinem anderen Grunde habe ich diesen Versuch "Scotophor" (Dunkelheitsträger) genannt, als um die von mir dabei wahrgenommenen Wirkungen der Verdunkelung anzudeuten. Während der Bononische Stein von den Sonnenstrahlen Licht aufnimmt, wird hier unsere Mischung von der Sonne verdunkelt und erlangt eine dunkle Farbe. Ich meine aber, die wirkliche Ursache dieser Verdunkelung sei nicht minder würdig der Prüfung durch einen Naturphilosophen als jene des von irgend einem Phosphorkörper ausgestreuten Lichtes.

Fast zwei Jahre sind es nun, als mir beim Studium über den Phosphor der Gedanke kam, den Balduinschen Prozeß zu prüfen. Es war mir damals gerade etwas Scheidewasser zur Hand, enthaltend eine sehr mäßige Menge von Silberteilchen, so viel nämlich, als bei dessen Bereitung nötig ist, damit es zur Trennung des Goldes vom Silber tauglich sei. Solches Scheidewasser verwendete ich, um damit, wie es der Balduinsche Versuch verlangt, Kreide zu befeuchten. Ich unternahm diese Arbeit bei offenem Fenster, welches die hellsten Sonnenstrahlen hereinließ. Ich bewunderte die Veränderung der Farbe an der Oberfläche in dunkelrot mit Neigung zu veilchenblau. Mehr aber noch wunderte ich mich, als ich sah, daß der Teil der Schale, welchen die Sonnenstrahlen nicht trafen, jene Farbe nicht im mindesten zeigte.

Nachdem ich dies gesehen hatte und es einer weiteren Untersuchung würdig hielt, ließ ich vom Balduin-Phosphor ab und verlegte mich auf diesen als "Scotophor" bezeichneten Versuch, um die Ursachen der Farbenänderung zu erklären. Im Zweifel und Zwiespalt über den einzuhaltenden Vorgang teilte ich jene gesättigte Menge Kreide in zwei Teile, von denen ich den einen in ein rundes und längliches Glas legte, wie wir es gewöhnlich zur Verteilung flüssiger Arzneien verwenden. Um nun diese dichte Masse bequem einzufüllen, begann ich mehr Scheidewasser zuzugießen. Da dies aber ein zu heftiges Aufkochen bewirkte, und die Kreide sich aufzulösen begann, goß ich zur Unterdrückung dieses stürmischen Vorganges etwas Wasser darüber. Nun legte ich das Glas aus der Hand, an einen Ort, wo es den Sonnenstrahlen zugänglich ist. Kaum sind einige Minuten verflossen, so sehe ich das Glas auf der den Sonnenstrahlen zugekehrten Seite eine ähnliche Farbe zeigen, nämlich dunkelrot mit Neigung zu blau. Den in der Schale zurückgebliebenen Rest ließ ich bis zur Austrocknung den Strahlen und dem Lichte ausgesetzt, und konnte dabei wahrnehmen, daß die Oberfläche gefärbt war und es durch einige Tage blieb, bis sie durch weitere Versuche verbraucht war.

Ich legte diese neue Sache den mich besuchenden Freunden vor, um ihr Urteil zu erfahren; einige von ihnen meinten, die Wirkung der Farbenverdunklung der Wärme zuschreiben zu sollen. Um nun zu erkennen, ob diese Wirkung von der Wärme stamme, schritten wir zu verschiedenen Versuchen. Zunächst brachten wir das Glas so nahe zu leuchtendem Herdfeuer, daß es mehr als genügend warm wurde. Es war aber so gestellt, daß jener Teil, den die Sonnenstrahlen früher nicht erreichen konnten und der daher nichts von jener Farbe hatte, dem Feuer zugewendet war. Die Farbe änderte sich nun nicht, obwohl das Glas vom Feuer so warm geworden war, daß man es kaum in der Hand halten konnte.

Daraus ergibt sich zur Genüge, daß die Wärme hier keine Rolle spielt; ich übergehe daher die anderen in dieser Richtung gemachten Versuche. Um nun deutlich zu erkennen und anderen zu beweisen, daß nicht die Wärme, sondern das Licht der Sonne diese dunkle Farbe herbeiführt, schüttelte ich den im Glase enthaltenen Niederschlag von der Kreide und die darüber schwimmende Flüssigkeit durcheinander, so daß die Vermengung jeden Farbenunterschied verschwinden ließ. Nun teilte ich die Flüssigkeit - es sei mir gestattet, die Mischung so zu nennen - , beschloß, den einen Teil in einem damit gefüllten Glase an einem finstern, keinem Sonnenstrahl zugänglichen Orte zu hinterlegen, und bestimmte den anderen zu neuen Versuchen. Ich setzte ihn also der Sonne aus, und zog von der Mündung einen dünnen Faden senkrecht zum Boden, so daß der von der Sonne beschienene Teil fast mitten geteilt war. Durch mehrere Stunden blieb das Glas den heißesten Sonnenstrahlen ausgesetzt ohne Störung oder Berührung von irgendeiner Seite. Als wir zur Besichtigung zurückkehrten, fanden wir die Flüssigkeit deutlich von Farbe durchdrungen. Als wir nun den Faden langsam wegnahmen, bemerkten wir mit freudigem Erstaunen, daß der vom Faden bedeckte Teil jene Farbe trug wie die Rückseite des Glases, welche kein Sonnenstrahl getroffen hatte; denselben Erfolg erprobten wir mit einem Roßhaar, mit einem Menschenhaar und mit einem ganz dünnen Silberfaden; es war daher kein Zweifel, daß diese Farbenänderung einzig vom Sonnenlichte abhängt, und daß sie keineswegs von der Wärme, sei sie auch Sonnenwärme, erzeugt wird.

Weiters habe ich auch Versuche im entgegengesetzten Sinne eingeleitet, indem ich nämlich, so oft ich die Absicht hatte, etwas Neues zu versuchen, durch Vermischung und Vermengung der Flüssigkeit diese wieder zu einer einfärbigen gestaltete und das Glas zum größten Teile mit dunkeln Körpern bedeckte, hingegen einen kleinen Teil dem freien Zutritt des Lichtes preisgab. So schrieb ich nicht selten Namen oder ganze Sätze auf Papier und schnitt die so mit Tinte bezeichneten Teile mit einem scharfen Messer sorgfältig aus; das in dieser Weise durchlöcherte Papier klebte ich mit Wachs auf das Glas. Es dauerte nicht lange, bis die Sonnenstrahlen dort, wo sie durch die Öffnungen des Papiers das Glas trafen, jene Worte oder Sätze auf den Niederschlag von Kreide so genau und deutlich schrieben, daß ich vielen Neugierigen, die aber den Versuch nicht kannten, Anlaß gab, die Sache auf ich weiß nicht welchen Kunstgriff zurückzuführen.

Ich erwähnte früher, einen Teil gesättigter und getrockneter Kreide aufgehoben zu haben. Auch bei dieser erfuhr ich, sobald ich sie der freien Sonne aussetzte, sofort die Farbenänderung und zwar so, daß man nichts der Wärme zuschreiben konnte, die ganze Veränderung vielmehr dem offenen Lichte zuzuschreiben war. Ich sagte auch, daß ich ein anderes mit derselben Materie gefülltes Glas an einem schattigen Ort hinterlegte. So oft ich nachsah, behielt diese Materie dieselbe weißliche Farbe und zeigte in keinem ihrer Teile auch nur die Spur irgendeiner Veränderung. So wird auch, was ich oft erprobt habe, eine mit Scheidewasser erzeugte Silberlösung an einem sehr schattigen Orte nicht verdunkelt werden: sobald sie aber der Sonne ausgesetzt wird, erhält sie eine dunkelrote, zu blau neigende Farbe.

Ich sah, daß es noch übrig blieb, die Ursachen der dargestellten Wirkungen zu erforschen; denn ich war der Überzeugung, dies alles hänge von der Vermischung des Scheidewassers mit der Kreide ab und ich weiß nicht, was ich über die Wirkung des auf diese Körper tätigen Lichtes philosophierte; es war mir nämlich ganz entfallen, daß jenes Scheidewasser, welches ich gebraucht hatte, durch - wenn auch kleine - Mengen von Silber verändert oder wie wir zu sagen pflegen, "gefällt" war. Es war daher eine glückliche Fügung, daß es mir in den Sinn kam, dieselben Versuche von Anfang an zu wiederholen. Es war mir damals durchdringend rauchende Salpetersäure zur Hand, wie sie mit Hilfe von Vitriolöl erzeugt wird. Diese milderte ich durch einen starken Wasserzusatz, damit sie die Kreide nicht gänzlich auflöse und begann in dieser Weise die Kreide zu befeuchten. Obwohl ich nun die Arbeit bei hellstem Sonnenlichte durchführte, konnte ich doch jene merkwürdige Farbenänderung nicht im mindesten wahrnehmen. Ich versuchte daher die Sache mit Scheidewasser, wie es in pharmazeutischen Offizinen verkauft wird. Der Erfolg war derselbe, wie ich ihn mit der Salpetersäure beobachtet, nicht der, den ich vermutet hatte. Daher bin ich auf den Gedanken gekommen, daß jenes Scheidewasser, welches ich zuerst verwendet hatte, infolge der darin enthaltenen Silberteilchen diese Erscheinungen erzeugt habe.

Zu dieser Einsicht gelangt, löse ich eine Silbermenge in Scheidewasser, verdünne die Lösung mit Wasser und befeuchte, wie vorher, die Kreide. Es zeigen sich nun dieselben Erscheinungen, doch trat jene Farbe jetzt weit deutlicher hervor, da eine größere Menge Silberteilchen in der zur Befeuchtung angewendeten Flüssigkeit enthalten war. Im Gegenteil nahm ich wahr, als ich den Versuch mit Scheidewasser wiederholte, in welchem so viel Silber enthalten war, als darin gelöst zu werden vermochte, daß sogar jene Stellen des Glases, welche von den Sonnenstrahlen nicht unmittelbar getroffen wurden, sofort eine nicht starke Schwärzung durch die reflektierten Strahlen erlangten. Dieselbe Lösung, durch Wasser verdünnt, und nicht mit Kreide vermischt, setzte ich in einem offenen Glase den Sonnenstrahlen aus und nahm wahr, daß in der Flüssigkeit ebenfalls jene schwärzliche Farbe entstand.

Um mich aber noch mehr zu vergewissern, daß das Sonnenlicht allein jene Wirkung hervorbringt, von der ich sprach, stellte ich das mit der Flüssigkeit gefüllte Glas so auf, daß die Sonnenstrahlen durch einen flachen Spiegel darauf zurückgeworfen wurden und sofort ersah ich, daß alles gerade so vor sich ging, als wenn ich es unmittelbar zur Aufnahme des freien Sonnenlichtes ausgesetzt hätte. Auch lernte ich die Notwendigkeit lernen, daß jener, der den Versuch vorsichtig unternehmen will, die im Glase enthaltene Flüssigkeit so aufstelle müsse, daß sich kein Körper hinter ihr befinde, welcher die Sonnenstrahlen zurückwirft. Ich erinnerte mich, das Glas zur Nachtzeit an ein Fenster gestellt zu haben, welches die Sonne erst nach Mittag einließ. Es befand sich aber gegenüber ein frisch mit Kalk getünchtes, blendend weißes Haus, wodurch das Morgenlicht sehr lebhaft in mein Gemach zurückgeworfen wurde. Des Morgens sah ich das Glas an und fand die gewöhnliche Farbe; darnach stellte ich es öfters so auf, daß es der von der Sonne hell beschienenen weißen Wand zugekehrt war, aber in keinem Teile von einem Strahle unmittelbar getroffen wurde. Da fand ich, daß es, wenn auch später als durch den Spiegel, jene gewohnte Farbe erhielt.

Daß ich Kreidepulver nahm, geschah durch Zufall, weil ich, wie gesagt, die Absicht hatte, Balduinschen Phosphor zu erzeugen. Ich meine aber, es sei ziemlich gleichgültig, wenn jemand statt der Kreide einen anderen weißen Körper, z. B. gebranntes Hirschhorn, weiße Magnesia oder ähnliches verwenden wollte. Selbst Bleiweiß habe ich an Stelle der Kreide fast mit dem gleichen Erfolge verwendet. Es ergab sich aber der Übelstand, daß sich das Bleiweiß an die Seitenwände des Glases zu fest anlegte, außerdem durch seine Schwere zu stark zu Boden strebte und nach längerer Ruhe sich schwerer mit der Flüssigkeit vermischte, was doch geschehen muß, damit die Farbe, mit der es einmal getränkt ist, entfernt werden könne und Platz für einen neuen Versuch gegeben sei.

Wünscht jemand eine augenblickliche Wirkung zu sehen, so möge er die Sonnenstrahlen mit einem Konvex-Brennglase sammeln, so daß sie auf das mit der Flüssigkeit gefüllte Glas fallen; doch hat er dabei zu beachten, daß er den Brennpunkt des Glases nicht genau treffe, sondern etwas daneben abweiche. So wird man fast in einem Augenblicke die starke Verdunkelung der im Glase enthaltenen Mischung wahrnehmen.

Das ist die Zusammenfassung eines oft geübten Versuches. Ich würde eine ursächliche Erklärung dieser Wirkung beifügen, wenn ich mir selbst dabei genügen würde. Zum Beispiel ist wenigstens so viel klar, daß die Wirkung des Lichtes und der Wärme der Sonne eine andere ist, als man es von einem Küchenfeuer erwarten kann. Ferner meinte ich, unser Versuch könne auch die Anwendung finden, daß er zur Untersuchung von Mineralien und Metallen verwendet werde, wenn man wissen will, ob sie etwas Silber enthalten, da es bisher nicht gelang, bei einem anderen Metalle oder Minerale, welches auf dieselbe Weise behandelt wurde, diese Erscheinungen zu beobachten. Auch verzweifle ich nicht daran, daß dieser Versuch den Naturforschern noch andere Nutzanwendungen wird zeigen können. Deshalb entschloß ich mich auch, die Sache behufs einer weiteren Prüfung durch andere gelehrte Männer öffentlich darzulegen.

 

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