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Aus der Neuen Solidarität Nr. 19/2003

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SARS jetzt unter Kontrolle bringen!

Das Schwere Akute Respiratorische Syndrom (SARS), dem vor allem in China seit Februar viele Menschen zum Opfer gefallen sind, ist eine akute Bedrohung für die gesamte Menschheit. Mit geeigneten Mitteln könnte noch verhindert werden, daß daraus ein weiterer ökologischer Holocaust wird.


Was über SARS bekannt ist
Kann die Seuche noch gestoppt werden?

Das Schwere Akute Respiratorische Syndrom (SARS), die Seuche, die im November letzten Jahres ihren Ausgang im südlichen China nahm, stellt nach AIDS, Ebola und anderen neuen Killer-Infektionen eine weitere schwere gesundheitliche Bedrohung für die Weltbevölkerung dar. Viele Einzelheiten über diese neue Krankheit sind zwar noch ungeklärt, um eine endgültige Bewertung ihres zerstörerischen Potentials vornehmen zu können, aber angesichts der dramatischen Verschlechterung der weltweiten Gesundheitsversorgung im Zuge der schweren Wirtschaftsdepression kann sich die Weltbevölkerung eigentlich keine einzige solche zusätzliche Gefährdung leisten.

Mit welcher Wucht sich die Seuche nach ihrem ersten offiziellen Bekanntwerden Anfang März 2003 weltweit ausbreitete, geht aus nebenstehender Graphik hervor. Die Fallzahlen explodierten geradezu, obwohl sehr schnell Maßnahmen zur Erkennung und Isolierung Erkrankter eingeleitet wurden. Bisher sind etwa 140 Menschen an SARS gestorben, mindestens 3400 haben sich infiziert. Glücklicherweise haben die Notmaßnahmen inzwischen in den meisten betroffenen Ländern offenbar gegriffen, so daß die Kette der Neuinfektionen unterbrochen zu sein scheint.

Nur in China, dessen zuständige Behörden am 11.Februar 2003 der Weltgesundheitsorganisation einen seit November dauernden Ausbruch akuter respiratorischer Erkrankungen in der Provinz Guangdong meldeten, hat sich SARS über längere Zeit unerkannt ausbreiten können. Die ersten Krankheitssymptome waren relativ unspezifisch, so daß sich der Verdacht zunächst auf eine ungewöhnliche Grippeerkrankung oder Lungenentzündung richtete. Ein Erreger war nicht bekannt, und erst als deutlich wurde, daß es sich um ein neues Krankheitsbild handelte, konnten erste seuchenhygienische Maßnahmen ergriffen werden.

Aufgrund dieser Umstände sind die Fallzahlen jetzt in China erheblich höher, und deshalb ist es dort auch unvergleichlich schwieriger, die weitere Ausbreitung der Seuche in den Griff zu bekommen. Angesichts dieser Lage ist es völlig unangebracht, sich abfällig über die Anstrengungen der chinesischen Gesundheitsbehörden zu äußern, wie es vor allem von anglo-amerikanischen Vertretern und Medien geschehen ist. In einem so großen und bevölkerungsreichen Land wie China ist es eines, um die Gefahr einer Seuche wie SARS zu wissen, und ein zweites, die vielen hundert bzw. tausend Erkrankten so wirksam zu isolieren, daß die Krankheit nicht weitergetragen wird.

Nicht so sehr in den großen Städten, aber vor allem in den weiten ländlichen Gebieten Chinas ist die Infrastruktur der Gesundheitsversorgung äußerst lückenhaft. Das Problem der zahllosen Wanderarbeiter und Pendler macht die Arbeit der Gesundheitsbehörden ebenfalls nicht einfacher. Bleibt nur ein einziger SARS-Kranker unerkannt, kann von ihm eine rasante neue Infektionskette ausgehen.

Was über SARS bekannt ist

Nach bisherigen Erkenntnissen gehört der SARS-Erreger zur Gruppe der Coronaviren, die beim Menschen bisher nur milde Krankheitsverläufe verursachten. Das neue Virus, dessen Erbgut mittlerweile identifiziert wurde, unterscheidet sich deutlich von den bisher bekannten Coronaviren und ist vermutlich tierischen Ursprungs. Erste Erkrankungen aufgrund der Virusinfektion sind möglicherweise im November 2002 in China, in der Provinz Guangdong (Kanton) aufgetreten. Da bei vielen SARS-Kranken auch andere Krankheitserreger nachgewiesen wurden, besteht auch die Möglichkeit, daß das typische Krankheitsbild von SARS eventuell aus einer Kombination von Coronaviren und anderen Keimen entsteht.

Nach einer Inkubationszeit von drei bis elf Tagen treten bei einem Infizierten meist sehr plötzliches Fieber und Atembeschwerden (Husten, Atemnot) auf. Auch Hals- und Muskelschmerzen sind möglich. Im weiteren Verlauf kann sich eine Lungenentzündung entwickeln. Nach bisherigen Beobachtungen liegt die Sterblichkeit bei SARS bei etwa 6 bis 10 Prozent. Diese Schwankungsbreite erklärt sich dadurch, daß erst relativ wenige Fallzahlen untersucht wurden, aber auch dadurch, daß in einigen Gegenden mehr Kinder und ältere Menschen oder Menschen mit anderen Vorerkrankungen betroffen waren.

Übertragen wird SARS wohl überwiegend durch Tröpfcheninfektion, z.B. durch Anhusten, aber da der Erreger auch im Stuhl nachgewiesen wurde, kommen auch Schmierinfektionen (Stuhl-Mund) in Frage. Bei einer genauen Untersuchung gehäufter SARS-Fälle in einem großen Wohnhauskomplex in Hongkong stellte sich heraus, daß auch eine Erregerübertragung durch die Luft in Betracht kommt, da viele der Bewohner keinen direkten Kontakt miteinander hatten und bestimmte Mängel im Abwassersystem die Verbreitung von Erregern durch Rohre und Abluftschächte möglich machten. Wie bei anderen Infektionskrankheiten wird die Schwere des Krankheitsverlaufs auch davon abhängen, wie viele Erreger bei einem Kontakt übertragen wurden.

Kann die Seuche noch gestoppt werden?

Betrachtet man sich den bisherigen Verlauf der SARS-Ausbreitung, drängt sich der Eindruck auf, daß die Menschheit in diesem Fall einer neuartigen Seuche noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen ist. Daß weltweit nicht weit mehr Menschen infiziert wurden, ist wohl hauptsächlich dem glücklichen Umstand zu verdanken, daß der Erreger in keinem der allerärmsten Länder der Welt, vor allem in Afrika, Fuß fassen konnte. Es ist entlang der Hauptreiserouten aus Südostasien überwiegend zu einer Nord-Nord-Ausbreitung und nicht zu einer Nord-Süd-Ausbreitung gekommen. Das Gefahrenpotential einer solchen Nord-Süd-Ausbreitung ist den Gesundheitsbehörden durchaus bekannt, wird aber aus Angst vor Panikmache stark heruntergespielt.

So erklärte Dr.Mike Ryan, Koordinator des Global Outbreak Alert and Response Network der WHO in Genf, auf einer Pressekonferenz am 25.April, er glaube zwar nicht, daß SARS-Fälle in den ärmsten Ländern unbemerkt blieben, "aber ein solches Szenario, wenn es in diesen Ländern einträte, ist sehr beängstigend, und wir müssen dafür sorgen, daß es zu einer solchen Ausbreitung nicht kommt".

Weitere Umstände kommen hinzu, die es relativ leicht machen, das SARS-Virus unter Kontrolle zu bekommen. So ist ein Infizierter offenbar erst mit Einsetzen erster deutlicher Krankheitszeichen, vor allem des Fiebers, für andere ansteckend, was vermeiden hilft, daß ein Infizierter, aber noch nicht Kranker unwissentlich andere ansteckt. Dieser Faktor ist z.B. bei HIV/AIDS ganz entscheidend dafür, daß ein Infizierter u.U. über Monate und Jahre hinweg andere ansteckt, ohne überhaupt davon zu wissen. Auch sind Coronaviren gegen Austrocknung nicht resistent, d.h. an der Luft verlieren sie sehr schnell an Infektiosität, so daß sie nur sehr bedingt durch Haftenbleiben an Gegenständen weitergetragen werden.

Alles muß nun daran gesetzt werden, eine massive SARS-Pandemie, d.h. einen weltweiten Seuchenzug wie etwa bei den regelmäßigen Influenza-Pandemien, zu verhindern. Der Zeitpunkt, eine solche Pandemie aufzuhalten, ist noch nicht überschritten, aber wenn die Seuche nicht vollständig unter Kontrolle gebracht wird, könnte es sehr schnell zum Überspringen auf relativ schutzlose Bevölkerungen in den Entwicklungsländern mit nicht abzuschätzenden Opferzahlen kommen.

Dr.Ryan von der WHO hat diese Aussicht im wesentlichen bestätigt: "Wir haben eine Möglichkeit, diese Krankheit unter Kontrolle zu bekommen, aber das muß jetzt geschehen, oder wir werden es in den nächsten 20 Jahren mit dieser Krankheit zu tun bekommen. Das Fenster dieser Möglichkeit steht noch offen, wir müssen die Chance nutzen. Der Schutz der globalen Gesundheit muß über dem Interesse eines jeden Landes, einen jeder Stadt oder Region stehen."

Dr. Wolfgang Lillge

 

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