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Aus der Neuen Solidarität Nr. 14/2003

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Die neue Seidenstraße


Emanuel Todd: Amerika braucht die Alte Welt
Dmitrij Rogosin: Neue Qualität der Zusammenarbeit

Eisenbahntunnel von Korea nach Japan

Ölpipeline Rußland-China-Korea-Japan

Emanuel Todd: Amerika braucht die Alte Welt

Am 11. März strahlte der deutsch-französische Fernsehsender Arte ein bemerkenswertes mehrstündiges Programm zur Irakkrise aus, in dem der bekannte französische Politologe Emmanuel Todd interviewt wurde. Todd sagte: "Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus hat die Welt keine großen strategischen Probleme mehr. Denn der Terrorismus ist kein strategisches Problem, man kann ihn durch Polizeiarbeit in den Griff bekommen... Gegenwärtig wollen die USA, daß die Welt aus einer friedlichen Situation in eine Kriegssituation übergeht. Darum geht es im Irak!"

Das Verhältnis der USA zum Rest der Welt habe sich in den letzten Jahren umgekehrt, sagte Todd: "In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg brauchte Amerika die Welt nicht, es verfügte über eine starke Wirtschaft, und die Welt rief Amerika um Hilfe. Amerika hatte eine positive Bedeutung für die Errichtung demokratischer Verhältnisse. Aber Eurasien und das alte Europa leben mittlerweile in einer anderen Situation... Jetzt stellt Amerika fest, es braucht die ,Alte Welt' - die Güter und vor allen Dingen das Geld aus dieser alten Welt. Die USA haben ein riesiges Handelsbilanzdefizit, 500 Mrd.$ im Jahr, sie brauchen jeden Tag 1,2 bis 1,5 Mrd.$, um den Dollar zu stützen."

Die USA seien also nicht mehr in einer Position der Stärke. Sie könnten Europa nicht kontrollieren, und es sei ihnen auch nicht gelungen, die Russen "klein zu kriegen". Weil der Irak ein militärischer Zwerg sei, könnten die USA "in einem symbolischen Akt als Großmacht auftreten, die für die Welt notwendig sei".

Nach den Folgen für die transatlantischen Beziehungen gefragt, erklärte Todd: "Im Augenblick haben die USA das Gegenteil von dem erreicht, was sie eigentlich wollten. Sie wollten den europäischen Verbündeten zeigen, wie stark Amerika noch ist. Erreicht haben sie, daß Deutschland zum ersten Mal Nein zur amerikanischen Politik gesagt hat. Das deutsche Nein hat den Franzosen erlaubt, in der UNO ihre Rolle zu spielen. Schnell haben sich diese beiden als strategische Akteure präsentiert; Rußland hat sich ihnen angenähert, und jetzt baut sich ein Gegengewicht zu den Amerikanern auf. Dieses Bündnis könnte in Zukunft als Stabilitätspol wirken, und zwar mit den Trümpfen, die es hat: der großen Wirtschaftsmacht Europas und dem militärstrategischen Element in Rußland." Zur künftigen Rolle der UN meinte Todd: "Der amerikanische Unilateralismus hat die Rolle der UNO gestärkt. Wenn die USA gegen den Willen der UNO angreifen, dann stehen sie als Großmacht außerhalb des Völkerrechts, aber die UNO wird weiter existieren. Wenn die USA die UNO verlassen, wird man überlegen müssen, ob man den Sitz der UNO nach Europa verlegt, z.B. in die Schweiz. Das wäre ein erster symbolischer Schritt, aber die UNO wird zehnmal wichtiger werden als in der Vergangenheit."

Dmitrij Rogosin: Neue Qualität der Zusammenarbeit

In einem Interview mit der Wochenzeitung Welt am Sonntag am 16. März sprach der Vorsitzende des Außenpolitischen Duma-Ausschusses, Dmitrij Rogosin, von einer "neuen Qualität der Zusammenarbeit" zwischen Frankreich, Deutschland und Rußland, die weit über die akute Irakkrise hinausgehe. Die Kooperation ruhe auf solider Grundlage und stehe auch anderen interessierten Mächten offen: "Da werden Deutschland, Frankreich und Rußland mit gemeinsamer Industriepolitik, Weltraumforschung und Sicherheitspolitik, etwa bei Regionalkonflikten ein neues attraktives Zentrum für andere Staaten."

Weiter sagte Rogosin: "Die [Energie-] Ressourcen Rußlands sichern die Unabhängigkeit jedes Verbündeten. Selbst wenn die Amerikaner am Golf alles dominieren, droht Deutschland und Frankreich keine Gefahr, solange sie mit Rußland kooperieren. Und Rußland hat sich für Deutschland und Frankreich entschieden. Auf dieser Basis der gemeinsamen Interessen entsteht die Eurasische Union als neue Supermacht, der die andere Supermacht Rechnung tragen muß. Diese Eurasische Union ist von Dauer und hat mit ihren riesigen Absatzmärkten eine größere Zukunft als die Europäische Union.

Eisenbahntunnel von Korea nach Japan

Der neue südkoreanische Präsident Roh Moo-hyun hat auf seinem Gipfeltreffen mit dem japanischen Regierungschef Junichiro Koizumi am Tag seiner Amtseinführung am 25.Februar eine entschiedene Aufwertung der koreanisch-japanischen Beziehungen angeregt. Wie die Korea Times meldete, sprach sich Roh für das Vorhaben eines Unterwassertunnels zwischen beiden Ländern aus. Ein solcher Tunnel "als Teil einer großen, Asien und Europa umfassenden Eisenbahn werde das Interesse der Wirtschaft beleben, wenn Nordkoreas Nuklearproblem gelöst ist", habe Roh erklärt.

Das Projekt wäre der längste Brücken-Tunnel-Komplex der Welt und könnte Japans Inseldasein für immer beenden. Mitarbeiter der südkoreanischen Regierung erklärten, man solle in Zukunft nicht mehr von der Eisenbahn Pusan-Paris sprechen, sondern von der Bahn Tokio-Pusan-Paris. Schon in den 90er Jahren wurde in Japan an der Idee eines solchen Tunnels gearbeitet, aber damals befürchteten einige Koreaner, er könne für eine militärische Invasion mißbraucht werden. Rohs Erklärung zeigt, daß sich die Zeiten geändert haben.

Ölpipeline Rußland-China-Korea-Japan

Wie die Zeitung China Daily vom 3.März berichtete, stehen China und Rußland kurz vor dem Abschluß der Verhandlungen über eine 4000 km lange Ölpipeline von Ostsibirien nach China, Nord- und Südkorea sowie Japan. Ein Regierungsvertreter aus Beijing nannte es "das wichtigste Geschäft zwischen den beiden Nachbarn für mindestens zwei Jahrzehnte". China akzeptiert Rußlands neuen Plan, an die russisch-chinesische Hauptstrecke eine zusätzliche Pipeline nach Japan anzuschließen, solange ausreichende Lieferungen an China gewährleistet sind. Dieser jüngste Vorschlag, der Anfang Februar unterbreitet wurde, sieht vor, zuerst eine knapp 2000 km lange Pipeline nach China zu bauen und später Verbindungspipelines vom sibirischen Tschita zur russischen Hafenstadt Nachodka zu errichten, so daß Japan, Korea und sogar die USA beliefert werden können. In die Pipeline sollen 5 Mrd.Dollar investiert werden. Ab 2005 will man darüber jährlich 20 Mio.t Öl von Angarsk nach Daqing liefern, bis 2010 soll die Menge auf 30 Mio.t ansteigen. China möchte auf diese Weise seine Abhängigkeit vom Öl aus dem Nahen Osten verringern, und auch das russische Energieministerium bezeichnet den Plan als dem "nationalen Interesse dienlich".

 

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