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Aus der Neuen Solidarität Nr. 14/2003

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Wiederaufbau einer kaputten Welt

Am 21.März, einen Tag nach Kriegsbeginn, kamen in Bad Schwalbach etwa 600 Mitglieder und Freunde aus 46 Nationen zur Jahreskonferenz des Schiller-Instituts zusammen.


Die Eurasische Landbrücke
Notwendige Entwicklungsperspektiven

LaRouches "Enkel"

Erziehung und Musik

"Dies ist meines Wissens die erste internationale Konferenz seit Kriegsbeginn, die gegen diesen unrechtmäßigen Krieg klar Stellung bezieht", sagte ein irakischer Journalist während der Plenumsdiskussion.

In seiner Hauptrede am ersten Abend hatte Lyndon LaRouche den Krieg verurteilt und erklärt, dies sei nicht bloß ein Krieg gegen den Irak, sondern ein Vorwand, um einen Weltkrieg anzuzetteln: "In den kommenden Tagen oder Wochen wird der Irak womöglich zerstört werden, aber der ,Irakkrieg' wird niemals enden. Denn dann wird es einen weiteren Krieg geben, unter einer Regierung, die voll und ganz auf den Kurs einer faschistischen Weltherrschaft eingeschwenkt ist. Deswegen müssen wir diesen Krieg beenden... Wer sagt, man solle sich mit dem Krieg abfinden und versuchen, hinterher die Scherben aufzusammeln, ist auf dem Holzweg. Denn es gibt kein Hinterher, nur fortdauernden Krieg. Die Bombardierung Nordkoreas ist fast automatisch zu erwarten, wenn nicht eingeschritten wird. Iran steht auf der Liste der Angriffsziele. Der gesamte Mittlere Osten ginge in Flammen auf, wenn das nicht aufhört. Und der Krieg kann nur insgesamt beendet werden. China ist eine der Nationen, gegen die der Krieg gerichtet ist, was uns die Dimension dessen, womit wir es hier zu tun haben, vor Augen führt. Wir müssen diesem Krieg Einhalt gebieten!" An dieser Stelle wurde LaRouches Rede durch Applaus unterbrochen.

Uwe Friesecke vom Schiller-Institut hatte eingangs gesagt: "Von Lyndon LaRouche stammt die Warnung, daß ohne eine Lösung der Zusammenbruchskrise des Weltfinanzsystems durch die Errichtung einer neuen gerechten Weltwirtschaftsordnung die Gefahr von Krieg und strategischem Chaos immer weiter zunehmen werde. Heute bezahlt die Welt einen bitteren Preis dafür, daß sie seine Warnungen mißachtet hat." Amelia Boynton Robinson, Mitstreiterin Martin Luther Kings in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, hatte LaRouche als den einzigen amerikanischen Politiker vorgestellt, der genug Mut und Geist besitzt, um der Welt den Frieden zurückzugewinnen.

LaRouche sagte in Bad Schwalbach, man dürfe es nicht erst so weit kommen lassen wie in Deutschland, als nach dem Reichstagsbrand die "Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat", das "Ermächtigungsgesetz" und schließlich eine Welle politischer Morde Hitler zum unumschränkten Diktator gemacht hatten. 1931-32 gab es noch Handlungsmöglichkeiten, um die Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen und Hitlers Machtergreifung zu verhindern. "Doch im Sommer 1934 war der Zweite Weltkrieg tatsächlich unausweichlich geworden. Es gab keine Macht auf dem Planeten, die ihn hätte aufhalten können. Wir konnten uns nur noch darauf vorbereiten."

Auch heute gebe es noch Handlungsmöglichkeiten, so LaRouche, und in Gestalt der Zusammenarbeit zwischen Asien und Europa auch die erforderliche Macht, sie umzusetzen: "Es kommt darauf an, mit der nötigen Führungsinitiative das Potential in Aktion zu versetzen und der Welt deutlich zu machen, daß diese positive Alternative, die Zusammenarbeit einer Gruppe souveräner Staaten, bereit ist zu handeln und die großen wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Erde zu lösen. Auf diese Weise könnte die öffentliche Meinung, die gegen den Krieg ist, Wirkung entfalten und die erforderlichen Kräfte in- und außerhalb der US-Regierung mobilisieren, um den Prozeß einer faschistischen Machtergreifung zu vereiteln." Auch die beste öffentliche Meinung löse an sich noch kein Problem, betonte LaRouche. "Jemand muß an den Hebeln der Macht dafür sorgen, daß es auch geschieht. Und dazu bin ich entschlossen."

Neben LaRouche auf dem Podium saßen drei Vertreter der eurasischen Dreieckskooperation, nämlich Chandrajit Yadav aus Indien, der in Indira Gandhis Regierung Minister war, der Volkswirt Dr. Bi Jiyao aus China von der Staatlichen Kommission für Entwicklungsplanung und Prof. Dr. Wladimir S. Mjasnikow vom Fernost-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften. Im Anschluß an LaRouches Rede traten alle drei ans Mikrofon, um dem mutigen Amerikaner LaRouche zu danken und ihn ihrer Unterstützung zu versichern. Prof. Mjasnikow sagte: "Ja, wir müssen diesem Krieg ein Ende setzen!" Der Irak sei nur der erste Schritt, und ein besetzter Irak sei das perfekte Aufmarschgebiet für einen Angriff auf den Iran. Die Folgen eines solchen Krieges, in dem auch Rußland und China Angriffsziele werden könnten, seien kaum auszudenken. Er schloß an LaRouche gewandt: "Danke, daß Sie uns Hoffnung und eine Zukunftsperspektive geben." Seine Hochachtung für LaRouches Kampf gegen den Krieg drückte auch der Doyen des britischen Unterhauses, Tam Dalyell, in einem Gruß an die Konferenz aus.

Die Eurasische Landbrücke

Muriel Mirak-Weißbach erinnerte zu Beginn des zweiten Tages, an dem zehn Vertreter eurasischer Länder Vorträge hielten, an die alte Seidenstraße, die Vorgängerin des Projekts, das heute "Eurasische Landbrücke" heißt. An der Seidenstraße mit ihren vielen berühmten Städten habe auch Bagdad gelegen, auf das nun Bomben und Raketen niedergehen.

Die Hauptrednerin des Tages, Helga Zepp-LaRouche, verurteilte den Irakkrieg als illegalen Angriffskrieg, der in einen neuen Weltkrieg münden könne. Die Doktrin präventiver Kriege setze das Völkerrecht außer Kraft. Damit zögen die USA die Nemesis im Schillerschen Sinne auf sich. "Der 20.März 2003 wird als der Tag, an dem der Untergang des amerikanischen Imperiums begann, in die Geschichte eingehen."

Sie erläuterte die Parallelen der heutigen Lage zum Ersten Weltkrieg, der von den Gegnern eurasischer Zusammenarbeit heraufbeschworen wurde. Er hätte aber abgewendet werden können, wenn die führenden Politiker damals klüger und entschlossener für die existierende Alternative einer eurasischen Kooperation bei Industrialisierung, Eisenbahnbau und sozialen Reformen eingetreten wären. Diese Politik, die vom französischen Außenminister Hanotaux und Graf Witte in Rußland vertreten wurde, hätte die Grundlage für eine friedliche Zusammenarbeit mit Deutschland schaffen können.

Nach dem Mauerfall 1989 sei die Gelegenheit eurasischer Kooperation erneut vertan worden, doch heute mit dem eurasischen Widerstand gegen den unsinnigen Krieg biete sich eine weitere Chance. Die Zeit sei reif für entwicklungspolitische Abkommen, die weit über den Marshallplan oder New Deal hinausgehen. Eine solche "Eurasische Union" habe mit Sicherheit eine größere Zukunft als die EU.

Die übrigen Redner des Tages kamen aus den eurasischen Ländern Rußland, China, Indien, Korea, Finnland und Polen. Prof. Mjasnikow sprach über "Das strategische Dreieck Rußland-China-Indien". "Zu Beginn des 21.Jahrhunderts steht die Welt erneut am Rande des Krieges", warnte er und zitierte dazu aus LaRouches Rede zur Lage der Nation und der Welt vom 28.Januar 2003. Rußland und China befänden sich im Visier amerikanischer Denkfabriken. Ein Bericht der Rand Corporation mit dem Titel "Schlußfolgerungen über den Niedergang Rußlands... und Konsequenzen für die USA und ihre Luftwaffe" befasse sich mit Rußlands "Erniedrigung" bis zu einem Punkt, an dem amerikanische Truppen auf russisches Territorium zu Hilfe gerufen werden müßten. Mit China befasse sich der Bericht des chinesischstämmigen Amerikaners Gordon G. Chang von 2001 "Der kommende Zusammenbruch Chinas".

Aber die Besuche des russischen Präsidenten Putin im Dezember 2002 in China und Indien zeugten von einer Trendwende in Richtung eurasischer Zusammenarbeit. Mjasnikow zitierte aus dem bahnbrechenden russisch-chinesischen Vertrag vom 16.Juli 2001 über gutnachbarschaftliche Beziehungen, Freundschaft und Kooperation und stellte fest: "Rußland und China stimmen ihre Pläne zur Durchführung von Großprojekten untereinander ab; dazu gehören die Entwicklung Westchinas, die internationalen Ost-West- und Nord-Süd-Verkehrskorridore, der Bau von Pipelines von Rußland nach China und die eurasische transkontinentale Wirtschaftsbrücke."

Nach dem 11.September 2001 hätten die führenden Länder Eurasiens sich zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen terroristische Umtriebe auf dem Kontinent vorgehen zu können. Gegen den imperialen Kurs der Gruppe um Cheney, Wolfowitz et al., der in Washington immer mehr die Oberhand bekam, verfolgten die eurasischen Länder das Konzept einer "polyzentrischen Welt" und das, was der kirgisische Präsident Akajew "Diplomatie der Seidenstraße" nenne. In China sei dies Regierungspolitik.

Als nächster sprach Dr. Bi Jiyao von der chinesischen Akademie für Makroökonomische Forschung der staatlichen Planungskommission über Chinas "wirtschaftliche Entwicklungsperspektiven und neue Maßnahmen der wirtschaftlichen Öffnung". Er veranschaulichte den Konferenzteilnehmern die ungeheure Aufgabe, für die Entwicklung einer Volkswirtschaft von 1,3 Mrd. Menschen Sorge zu tragen. China habe vor, die hohe Wachstumsrate von jährlichen 7-8 Prozent über die nächsten 20 Jahre beizubehalten, um so bis zum Jahr 2020 sein Bruttoinlandsprodukt zu vervierfachen. Applaus brandete auf, als Dr. Bi sich für die Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Deutschland aussprach und nicht ohne Stolz über die Jungfernfahrt der Magnetschwebebahn Transrapid an Silvester 2002/2003 berichtete.

Chandrajit Yadav, der auch Generalsekretär der indischen Kongreßpartei gewesen ist, wandte sich mit Sarkasmus gegen US-Präsident Bush und seine Haltung "Wer nicht für mich ist, der ist mein Feind". So redeten Despoten, and solche Leute würden am Ende immer besiegt. Statt Hunger, Armut, AIDS und Analphabetentum zu bekämpfen, würden nun Zigmilliarden Dollar for den Irakkrieg verschleudert. Indien, mit den Ideen Gandhis und Nehrus, und die Bewegung der Nichtpaktgebundenen Staaten (NAM) müßten nun eine aktivere Rolle spielen, um eine Lösung der Krise herbeizuführen. Dabei sei das Dreieck Rußland-China-Indien von zentraler Bedeutung.

Am Ende wandte er sich an die vielen jungen Leute im Publikum: "Die Jugend ist von Natur aus revolutionär, gegen das Establishment und hat eine neue Sicht der Dinge. Junge Leute müssen mit Zuversicht, Überzeugung und Entschlossenheit zu Werke gehen. Wir werden den Imperialismus von Bush and Blair nicht hinnehmen. Wir fordern eine bessere Welt. Wenn Ihr für Freiheit und Unabhängigkeit Opfer bringen müßt, dann denkt daran, daß junge Menschen in früheren Epochen dafür ihr Leben und Blut gegeben haben... Ich rufe die Jugend hier auf, den Vorsatz zu fassen, daß wir zu einer Streitmacht für eine neue Welt werden." Für seine leidenschaftliche Rede erhielt Minister Yadav stehende Ovationen.

Anschließend sprachen Botschafter Kim Sang-woo, Generalsekretär des Sekretariats für den gemeinsamen Raum Ostasien aus Seoul und Dr. Chin Hyung-in vom Korea Maritime Institute, ebenfalls aus Südkorea. Dr. Chin berichtete über das Infrastrukturprojekt der "Eisernen Seidenstraße" und erklärte, wie wichtig die transkoreanische Eisenbahnverbindung mit Nordkorea sei, weil Südkorea sonst von den Hauptkorridoren der Eurasischen Landbrücke abgeschnitten sei. Botschafter Kim Sang-woo, sichtlich erschüttert von der eskalierenden Nordkoreakrise, blickte zurück auf die großen Hoffnungen auf Wiederannäherung der beiden Koreas zu Anfang der Regierungszeit des vorigen Präsidenten Kim Dae-jung, die nun alle zerstört sind. Er ließ auch keinen Zweifel, wen er letztlich dafür verantwortlich macht. Man sei sehr enttäuscht gewesen, als George W.Bush bei seinem ersten Treffen mit Kim Dae-jung auf das nordkoreanische Regime geschimpft habe. Die US-Regierung habe nicht nur die Politik der Wiederannäherung aufgegeben, sondern auch Nordkorea in die "Achse des Bösen" eingereiht.

Der Finne Markku Heiskanen vom Nordischen Institut für Asienstudien behandelte den nördlichen Zweig der Eurasischen Landbrücke, der von Wladiwostok im Osten bis zur Atlantikküste im Westen reicht. Sein Hauptaugenmerk galt dem Zweig, der über Helsinki durch Schweden zum norwegischen Hafen Narvik führt, dem einzigen eisfreien Tiefwasserhafen an der nordeuropäischen Atlantikküste. Heiskanen appellierte an die Politik, umgehend Schritte in Richtung einer "künftigen Eurasischen Union" zu ergreifen.

Dr. Zbigniew Kwiczak, der früher im Ministerrang bei der Polnischen Botschaft in Moskau tätig war, stellte fest, der deregulierte, neoliberale, globalisierte Kapitalismus sei genauso gescheitert wie die kommunistische zentrale Planwirtschaft. Nun drohe ein Systemkollaps, der unweigerlich großes Leid verursachen werde. Gleichzeitig wachse aber auch die Chance, LaRouches wirtschaftspolitische Ideen zu verwirklichen. Polen könne bei der eurasischen Entwicklung eine wesentliche Rolle spielen, weil es in der Mitte Europas liegt und viele Infrastrukturverbindungen wie Gas- und Ölpipelines, Eisenbahnen, Straßen usw. durch polnisches Gebiet führen.

Notwendige Entwicklungsperspektiven

Dr. Eneas Ndinkabandi vom Vorstand der Organisation RDR aus Ruanda berichtete über die Lage in Ruanda und das verlogene Tribunal in Arusha. Der nigerianische Wirtschaftswissenschaftler Prof. Sam Aluko schilderte die verzweifelte Lage in Afrika. Nigeria werde immer ärmer, der durchschnittliche Jahresverdienst sei von 2000 Dollar im Jahre 1980 auf heute 350 Dollar gesunken. Verbrechen, Gewalt, Korruption nähmen zu. Unter dem Einfluß des IWF ziehe sich der Staat aus der Wirtschaftspolitik immer mehr zurück; aber eine funktionierende Privatwirtschaft gebe es auch nicht. Nur ein dramatischer Kurswechsel der weltwirtschaftlichen Entwicklung, ein ganz neues System mit festen Wechselkursen und langfristigem Niedrigzinskredit, könne Afrika wieder auf die Beine helfen.

Der italienische Ökonom Dr. Nino Galloni knüpfte genau hier an. Um die Armut in Afrika zu bekämpfen, müsse zuerst die Infrastruktur der Wasserversorgung aufgebaut werden. Die Planung großer Infrastrukturprojekte sei jedoch äußerst schwierig bzw. unmöglich, wenn sie durch kommerziellen Kredit finanziert werden müssen. Dazu müßten andere Mechanismen geschaffen werden. Er betonte, daß auch kostspielige Infrastrukturprojekte sich am Ende immer lohnen, wenn sie von vielen Menschen benutzt werden und dem Land und der Umwelt zugute kommen.

Hartmut Cramer vom Schiller-Institut gab einen hochinteressanten Hintergrundbericht über Dr. Wilhelm Lautenbach und seinen durch Reichsbankkredit finanzierten Arbeitsbeschaffungsplan aus dem Jahre 1931. Dabei stützte er sich auf eigene Forschungen beim Koblenzer Bundesarchiv, wo Lautenbachs Nachlaß aufbewahrt wird. Obwohl bei der berühmten Tagung der Friedrich-List-Gesellschaft am 16./17. September 1931 fast alle Anwesenden dem Lautenbach-Plan zustimmten, so notierte Lautenbach selbst, "versackte das Projekt wiederum, weil man in der Regierung nicht den Mut zu entschiedenem Handeln aufbrachte". 1936 äußerte Lautenbach sich in einer Rede über Roosevelts New Deal: Er sei "kühn und im Ansatz richtig" gewesen, und Projekte wie "die industrielle Erschließung des Tennessee-Tales" hätten eine "ungemein wohltätige" Wirkung auf die US-Wirtschaft gehabt. Zweifellos hätte ein eurasischer "New Deal" ähnlich wohltätige Wirkung. Worauf warten unsere Regierungen also noch?

LaRouches "Enkel"

Sechs junge Leute aus Frankreich, Deutschland und den USA erläuterten am Sonntagnachmittag, mit welcher Art von Denken sie die Schlacht um Amerika gewinnen und gleichzeitig eine geistig-kulturelle Renaissance vorantreiben wollen. Zwei Themen standen in dieser wohlkomponierten Abfolge von kurzen Vorträgen, Musik, Rezitation und Film im Vordergrund: Johanna von Orleans und die Notwendigkeit, sich von gescheiterten "Axiomen" oder Grundannahmen des eigenen Denkens zu trennen, wenn man Schlachten gewinnen will. Wir werden diesen ideenreichen Nachmittag, der hier nur kurz skizziert werden kann, demnächst ausführlicher dokumentieren.

Die Jugendbewegung wolle LaRouches Präsidentschaftskampagne "internationalisieren", sagte Erin Regan aus Los Angeles. Sie schilderte einige Aspekte der schrecklichen Kultur einer No-Future-Society, in der heutige Jugendliche aufwachsen müssen. Der Mensch sei aber zu Besserem geboren, und wenn LaRouche sage "Die Menschheit braucht euch", dann sei das offenbar der richtige Weg. Dann sang Jessica Tremblay (Mezzosopran), begleitet von Fagott und Querflöte, eine Arie aus Bachs Johannespassion.

Was die jungen Leute an der Jungfrau von Orleans begeistert, schilderten Megan Beets aus Washington, Tina Rank aus Dresden und Elodie Viennot aus Paris. Megan versetzte die Zuhörer zurück in die Zeit des 100jährigen Krieges, als die Briten Frankreich nahezu eingenommen hatten. Tina erweckte Schillers Johanna zum Leben, indem sie einige Monologe, darunter den berühmten Prolog "Lebt wohl ihr Berge..." so rezitierte, als wäre sie selbst an Johannas Stelle. Nicht um Land sei es in dem Krieg, in den Johanna siegreich intervenierte, gegangen, sondern um ein Prinzip - "daß der Mensch dazu geschaffen ist, nach Höheren zu streben..." Elodie schilderte die historische Schlacht um Orleans, das von den Briten eingenommen worden wäre, wenn Johanna nicht eingegriffen hätte - mit genau dem "Axiom", das den demoralisierten Franzosen abhanden gekommen war: Mut und Entschlossenheit!

Jason Ross brachte den Zuhörern seine frisch gewonnenen Erkenntnisse in der Auseinandersetzung mit Gauss' Beweis für die reale Existenz komplexer Zahlen (wie z.B. Wurzel aus -1) nahe. Sprungbrett für dieses Konzept ist Platons Aufgabe aus dem Dialog Menon, die Fläche eines Quadrats zu verdoppeln. Dies führte er nun vor, und man merkte ihm an, wieviel Spaß es ihm machte. Daniel Buchmann aus Berlin sprach über Friedrich List, der schon im 19.Jahrhundert die Freihandelslehre von Adam Smith widerlegt und erkannt habe, daß die wahre Quelle des Wohlstandes die Fähigkeit zu produzieren ist.

Limari Navarrete aus Los Angeles formulierte den Anspruch der LaRouche-Jugend an sich selbst. Sie wollen in die Geschichte eingreifen; die Kompetenz entwickeln, um Regierungen sagen zu können, was sie machen sollen; ihr Leben einsetzen, damit die nächste Generation es besser hat; und die erste weltweite Renaissance der Geschichte zuwege bringen. Nicht schlecht! Darauf folgte ein "Frontbericht" von Timothy Vance, der u.a. einen Videofilm über die Intervention der LaRouche-Jugend beim Parteitag der Demokraten in Kalifornien zeigte.

Erziehung und Musik

Mit dem Thema Erziehung befaßten sich zwei Vorträge. Frau Dr. Areti Demosthenous vom Institute of Historical Research for Peace in Nikosia, Cyprus, sprach über den notwendigen Dialog der Kulturen schon im Schulunterricht. Die Schüler lernten zuviel über Kriege und zu wenig über Wege, solche zu vermeiden. Es helfe viel, den Kindern die Vorzüge fremder Kulturen nahezubringen.

Dr. Nina Gromyko von der Moskauer Akademie für die Entwicklung von Kultur und Erziehung berichtete über ihre eigene, durch die Literatur des Schiller-Instituts inspirierte Arbeit an neuen Unterrichtsmethoden, um bei Schülern die Fähigkeit zu eigenständigem schöpferischen Denken zu schärfen. Sie brachte mehrere Beispiele für die fruchtbare Anwendung des "Paradox-Prinzips" bei der Entwicklung neuen Wissens. Eines davon befaßte sich mit den gegensätzlichen Theorien des Elektromagnetismus: Ampère und Fresnel vertraten die Auffassung, daß Elektrizität und Magnetismus Aspekte des gleichen Phänomens seien, während Coulomb dies bestritt. Die Schüler müßten dazu angeleitet werden, selbst zu beantworten, wer recht hat. So erarbeiten sie sich selbst Hypothesen, Experimente und im Zuge dessen eigenes Wissen, das ihnen niemand mehr nehmen kann. Mit Schülern der 7.Klasse habe man anhand von Episoden aus Lewis Carolls Alice im Wunderland den reduktionistischen euklidischen Raumbegriff, der ja keineswegs der einzig mögliche ist, in Frage gestellt.

Eine Renaissance ist nicht nur ein theoretisches Unterfangen, man muß es auch tun, und nur dann macht es richtig Freude. So zogen sich Darbietungen klassischer Musik als ein weiterer "roten Faden" durch die Konferenz. Bei einem Konzert am Samstagabend spielte die Pianistin Marie-Pierre Soma u.a. die "Waldstein-Sonate" von Beethoven. Maria Kovacova (Mezzosopran) und Daniel Miklosko (Bariton) mit Ivan Koska am Klavier sangen Lieder von Schumann und Schubert. Chor und Orchester des europäischen Schiller-Instituts unter Leitung von Anno Hellenbroich führten den "Introitus", das "Kyrie" und "Lacrymosa" aus Mozarts Requiem auf: Lotta-Stina Thronell-Hartmann und Liliana Gorini sangen das Sopran-Duett "Domine Deus" aus Mozarts Messe in c-moll.

Gewissermaßen wirkte die ganze dreitägige Konferenz wie eine Art Symphonie, in der die verschiedenen Themen sich verflechten und variiert wiederkehren. Am Ende wurde die während der Konferenz entstandene Bad Schwalbacher Erklärung vorgelesen und per Handzeichen von allen Teilnehmern verabschiedet.

Gabriele Liebig

 

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