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Aus der Neuen Solidarität Nr. 36/2001:

Für einen Gold-Euro

Der französische Präsidentschaftskandidat Jacques Cheminade, Vorsitzender der Organisation "Solidarité et Progrès", veröffentlichte am 29. August die folgende Stellungnahme.

Wir haben einen Punkt in der Geschichte erreicht, an dem das Überleben des derzeitigen internationalen Finanz- und Währungssystems nur allgemeinen Schaden anrichtet, statt dem Gemeinwohl zu dienen. Es plündert die Arbeitskraft, den produktiven Bereich, die Infrastruktur sowie die Ersparnisse der Menschen und die Kultur durch eine auf Raub gegründete Ordnung aus. Das jetzige Finanzsystem kann nur durch eine immer brutalere Zerstörung der vorhandenen Ressourcen überleben - zum alleinigen Nutzen einer immer kleiner werdenden Minderheit von Oligarchen und gegen die Mehrheit der jetzt lebenden Menschen und zukünftiger Generationen.

Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Initiativen einiger Ländern - allen voran Rußland und Malaysia - der vorherrschenden Dollar als Weltwährung Gold als "sicheren Zufluchtsort" entgegenzustellen. Der "starke" Dollar - nicht wirtschaftlich stark, sondern allenfalls aufgrund der Beziehungen der Finanzmächte - ist enorm überbewertet, um die Ausplünderung der restlichen Welt zu erleichtern. Aber für jeden, der die Wirklichkeit nicht ignoriert, hat das Ende der Vorherrschaft des "starken" Dollar begonnen. Der Monetarismus - Zinsmanipulationen und Kurstreiberei - hat sich endgültig von der Realität abgekoppelt.

Die langfristige Lösung liegt sicherlich in einem neuen Bretton Woods, in dem Sinne, wie Lyndon LaRouche diesen Begriff benutzt: Rückkehr zu festen Wechselkursen, Kapitalkontrollen, Schutz sich entwickelnder Industrien bei Korrektur einiger falscher Ansätze des alten Bretton-Woods-Systems. Um das zu erreichen, müssen sich die Staatschefs der Welt treffen und im Interesse aller Menschen und Nationen beschließen, die derzeitige oligarchische "Un"ordnung abzuschaffen. Was der ungarische Ökonom Polianyi als F.D. Roosevelts einzigartige Errungenschaft 1934 lobte, sollte heute in Form eines "weltweiten New Deal" ohne imperialistische Absichten, ohne Bevorzugung des Dollars und ohne koloniale oder neokoloniale Privilegien wieder aufgegriffen werden.

In kurzfristiger Hinsicht hat Malaysia das Richtige getan - heute ebenso wie vor drei Jahren, als jeder die Weigerung des Landes kritisierte, die IWF-Anordnungen zu befolgen. Die Suche nach einem sicheren "Zufluchtsort", um sich gegen den Zusammenbruch des Systems zu schützen - wir haben es nicht etwa mit einer zyklischen Krise zu tun, das System selbst ist am Ende - , ist befristet eine notwendige Maßnahme und zwingt gleichzeitig die Herren des bankrotten Systems, ihre Karten offen auf den Tisch zu legen.

Aus diesem Grunde schlage ich den europäischen Finanz- und Währungsbehörden vor, sich rasch mit dem Konzept eines Gold-Euros zu befassen und es umgehend umzusetzen, damit wir uns vor dem zusammenbrechenden Dollarsystem schützen können. Nach dieser "negativen" Maßnahme sollte ein Gipfel der Staatschefs aller Länder einberufen werden, solange das Eisen noch heiß ist, um es zu schmieden und ein neues Bretton-Woods-System zu errichten. Es muß als "Prinzipiengemeinschaft" zum Nutzen aller konzipiert sein. Das alte oligarchische System hat hingegen keine andere Zukunft mehr als die eines "neuen Faschismus".

Der Gold-Euro muß zu einem Zwischenschritt hin zu einem neuen Bretton Woods werden. Ich erwarte von den entsprechenden Behörden meines Landes, sich zu diesem Problem zu äußern und die absurde Idee fallen zu lassen, daß es sich bei der jetzigen Krise nur um einen "vorübergehende Flaute" handele. Tatsächlich befinden wir uns weder in einer Rezession noch einer Depression, sondern in der Endphase einer globalen Zusammenbruchskrise, dem Ende des herrschenden Finanzsystems.

Jacques Cheminade

 

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