Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Suchen Abonnieren Leserforum

Aus der Neuen Solidarität Nr. 29/2001:

Kriegsgefahr in Nahost: Scharon
sucht nur noch einen Vorwand

Die Sorge um einen neuen Nahostkrieg ist so groß geworden, daß einige "Insider" vertrauliche Hintergrundinformationen über die Lage in Israel und dem Nahen Osten insgesamt an die Öffentlichkeit lanciert haben. Sie hoffen, damit einen Krieg noch verhindern zu können, für den der israelische Premier Scharon nur noch den passenden Vorwand sucht.


Terrorkommandos und psychologische Kriegsführung
Der LaRouche-Faktor

Nahost-Experten in den USA berichteten EIR, Ariel Scharon habe schon wenige Tage nach seinem Amtsantritt als israelischer Ministerpräsident einen Plan für einen neuen Nahostkrieg vorgelegt. Bereits kurz nach der Wahl habe Scharon diesen Kriegsplan gegen die Palästinenserbehörde unter Jassir Arafat, das Königreich Jordanien und andere arabische Nachbarn in geheimen Memoranden gegenüber einem kleinen Kreis Vertrauter aus Politik und Militär enthüllt. Dieser "Scharon-Plan" enthalte zwei zentrale Punkte:

1. Scharon will die Terrororganisation Hamas als Werkzeug zur Destabilisierung Jordaniens einsetzen, um König Abdullah zu stürzen. Jordanien soll in ein "Land der Palästinenser" unter der Herrschaft der Hamas verwandelt werden. Hierzu muß man wissen, daß Scharon bereits beim Entstehen der Hamas-Bewegung entscheidend mitbeteiligt war. Jetzt benutzt er nach Angaben der Nahost-Experten seinen Sohn als persönlichen Unterhändler für Geheimverhandlungen mit der Hamas. In Hinblick auf den von Scharon gewollten neuen Nahost-Krieg seien bereits Hamas-Einsatztrupps nach Jordanien eingeschleust worden.

Der gegenwärtig von Scharon orchestrierte Angriff auf Arafat und Jordanien ähnelt in mancherlei Hinsicht dem berüchtigten "Schwarzen September" gegen die PLO Anfang der 70er Jahre - nur ist diesmal auch das Königreich Jordanien das Ziel. Damals spielte die Gruppe des Terroristen Abu Nidal ein wichtige Rolle, dessen Provokationen und Anschläge auf moderate Palästinenser immer wieder den Verdacht nahelegten, er arbeite für israelische und/oder anglo-amerikanische Dienste.

Israelische Geheimdienstkreise hatten in den 70er Jahren die Hamas in den besetzten Gebieten als "Countergang" gegen Arafats PLO aufgebaut. Die israelischen Behörden erlaubten der Hamas die Einrichtung von Suppenküchen, Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten, so daß diese nach und nach eine Parallelstruktur zu Arafats Fatah-Organisation bildeten.

2. Scharon will die Regierung Bush in Washington dahin bringen, "seinen" Krieg zu unterstützen. Angesichts der US-Wirtschaftskrise und seiner unsinnigen Geldverschleuderung im Rahmen der im Wahlkampf versprochenen Steuersenkungen käme Bush eine reale Kriegsgefahr in einer wichtigen Region der Welt gelegen, um eine massive Erhöhung des Militärbudgets im Kongreß durchsetzen zu können. Verteidigungsminister Rumsfeld sagte dies fast wörtlich bei seiner Stellungnahme vor dem Kongreß in der vergangenen Woche. Gegenwärtig liegen die Rüstungsausgaben bei drei Prozent des Inlandsprodukts (BIP), aber im Falle einer schweren Krise, so Rumsfeld, wäre es für die Regierung kein Problem, die Militärausgaben auf 8-10 Prozent des BIP zu steigern.

Außerdem geht Scharon davon aus, daß Mitglieder der amerikanischen Regierung wie Außenminister Colin Powell, die einen Angriffskrieg Israels ablehnen, durch Manöver seiner Regierung und von Teilen der "Israel-Lobby" in den USA politisch ausgeschaltet werden könnten.

Terrorkommandos und psychologische Kriegsführung

Zuverlässige Quellen haben EIR darüber informiert, daß verdeckte Terrorkommandos bereitstehen, um in Europa und dem Nahen Osten gegen Arafat und der Palästinenserbehörde nahestehende Araber sowie gegen amerikanische Einrichtungen Anschläge zu verüben.

Scharons scheinbare "Zurückhaltung" nach dem Terroranschlag auf die Diskothek in Tel Aviv am 1. Juni sei ein geschickter Schachzug. Er wolle so die Unterstützung gemäßigt rechts oder links stehender Israelis gewinnen, damit sie "nach dem nächsten Terroranschlag" seine Kriegspolitik unterstützen.

Dazu organisiere Scharon auch einen psychologischen Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Diese werde in ständiger Angst vor Anschlägen gehalten, so daß ein militärisches Losschlagen Israels zunehmend als "psychologisch befreiend" empfunden werde. Ein israelischer Geschäftsmann, der selbst früher Mitarbeiter des Geheimdienstes Mossad war, berichtete, fast jeden Abend werde irgendwo in Restaurants, Hotels, Geschäften etc. Bombenalarm ausgelöst. Die Behörden lassen die Gebäude sofort räumen. Diese blinden Alarme haben dann die offensichtlichen traumatischen Folgen für die Beteiligten.

Nach Angaben amerikanischer Quellen hat Scharon von Teilen des britischen Establishments grünes Licht für einen Krieg im Nahen Osten erhalten. Scharon will sich auch mit dem russischen Präsidenten Putin treffen, um zumindest ein gewisses stillschweigendes Tolerieren seiner Kriegspläne zu erreichen.

Der LaRouche-Faktor

Im letzten Dezember veröffentlichte EIR in den USA den Sonderbericht Wer entfesselt einen Religionskrieg im Nahen Osten?. Für Scharon bedeutete dies einen Rückschlag, dann darin wurde das Szenario eines Anschlags jüdischer Extremisten auf die islamischen heiligen Stätten auf dem Jerusalemer Tempelberg offengelegt. Eine solche terroristische Provokation und die dann vorprogrammierten Gegenreaktionen sollten als Auslöser eines Religionskrieges im gesamten Nahen Osten dienen. Jetzt kalkuliert Scharon, nach Angaben der erwähnten Quellen, auf einen neuen Terroranschlag gegen israelische Zivilisten - wahrscheinlich ausgeübt von Hamas-nahen Terroristen. Das wäre dann der Vorwand, um einen Krieg zu rechtfertigen.

Hochrangige israelische Militärs und Geheimdienstleute teilen LaRouches Einschätzung, daß Israel, trotz seiner massiven militärischen Überlegenheit, einen sich lange hinziehenden Kleinkrieg nicht gewinnen kann. Sie wollen deshalb eine dauerhafte Friedenslösung mit der Palästinenserverwaltung - in Israels eigenem Interesse.

Scharon und seine Gruppe dagegen wollen so schnell wie möglich einen größeren Krieg auslösen, mit dem Ziel, die gegenwärtig von den Palästinensern kontrollierten Gebiete militärisch zu besetzen. Arafat und die Palästinenserführung sollen entweder liquidiert oder aus Gaza und der Westbank vertrieben werden. Mit dem "Transfer" der Mehrheit der Palästinenser aus den besetzten Gebieten und auch großer Teile der arabischen Bevölkerung Israels auf das Ostufer des Jordan würde dann in Jordanien ein "palästinensisches Hamas-Regime von Scharons Gnaden" etabliert werden.

Unsere Quellen warnten auch, Scharon werde jeden Vorwand nutzen, um gegen den Irak militärisch vorzugehen. Damit könnte dann eine Invasion Jordaniens gerechtfertigt werden, durch die König Abdullah gestürzt würde. Scharon hofft, wenn er einen regionalen Krieg als "Reaktion" auf einen Terroranschlag beginnt (insbesondere, wenn es gleichzeitig zu Anschlägen auf amerikanische Einrichtungen kommt), würden sich die USA und Westeuropa hinter ihn stellen.

Jeffrey Steinberg

 

Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Suchen Abonnieren Leserforum