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Neue Solidarität
Nr. 9, 2. März 2016

Neues von der Seidenstraße

Chinesisches Bahnprojekt rettet Menschenleben in Äthiopien

Äthiopien leidet zur Zeit unter einer der schlimmsten Dürren seiner Geschichte, aber anders als in einer ähnlichen Lage vor 30 Jahren müssen nicht Hunderttausende Menschen verhungern. Das ist im wesentlichen zwei Veränderungen zu verdanken: Erstens betreibt die gegenwärtige Regierung eine ehrgeizige wirtschaftliche Entwicklungsstrategie, durch die im letzten Jahrzehnt Millionen Menschen aus der Armut befreit wurden, und Äthiopien gehört heute zu den afrikanischen Ländern mit der rasantesten Wirtschaftsentwicklung. Zweitens haben die Chinesen eine gut 800 km lange Bahnstrecke gebaut, die den kleinen Hafenstaat Dschibuti mit der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba verbindet.

Die gegen Ende letzten Jahres vollendete Bahnstrecke verkürzt die Fahrzeit von bisher bis zu drei Wochen mit Lastwagen auf nur noch fünf Stunden mit der Bahn. Dadurch kann der Staat den 8,2 Millionen betroffenen Menschen in den Dürregebieten innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen Getreide und andere im Ausland gekaufte Nahrungsmittel liefern, was Tausenden das Leben rettet.

Obwohl der Nutzen offensichtlich war, wollten weder der IWF noch die EU den Bau der Bahnstrecke finanzieren. Am Ende haben die Chinesen die Bahn nicht nur gebaut, sondern auch den Großteil der 3 Mrd. € Kosten vorgestreckt.

Die Strecke Dschibuti-Addis Abeba ist nur die erste eines geplanten 5000 km langen landesweiten Bahnnetzes mit Verbindungen nach Sudan, Südsudan und Kenia. Dieses wird wiederum Teil eines ostafrikanischen Bahnnetzes sein, das ebenfalls von China vorangetrieben wird. Der Gesamtplan „East African Railway Master Plan“ wird die Eisenbahnen in Kenia, Uganda, Tansania miteinander verbinden und nach Ruanda, Burundi, Südsudan und Äthiopien verlängern.

Im vergangenen September eröffnete Äthiopien auch seine erste Stadtbahn von der Innenstadt zum Flughafen von Addis Abeba, die ebenfalls von den Chinesen finanziert und gebaut wurde. Der Chef der äthiopischen Eisenbahnen, Getachew Betru, hat erklärt, sein Traum sei eine Verbindung des äthiopischen Bahnnetzes zu einer Transafrikanischen Bahn bis zum Atlantik.

Betru ist überzeugt, daß die äthiopische Eisenbahn auch wesentlich zum Aufbau Somalias beitragen kann. Äthiopien sei das größte Land der Region und könne ihr Wirtschaftsmotor werden, habe jedoch keinen Meereszugang und sei auf den überlasteten Hafen Dschibuti angewiesen, deshalb brauche es Verbindungen zu anderen Häfen. Somalia verfügt über den Hafen Berbera, der bisher nicht voll genutzt wird. Er liegt in Somaliland, das sich von Somalia unabhängig erklärt hat, jedoch international nicht anerkannt ist. Aber mit einem Gesamtplan für die Integration ganz Somalias mit Äthiopien und anderen Ländern der Region durch Bahnen können auch solche schwierigen politischen Fragen gelöst werden.

* * *

Iran feiert die Ankunft des Neuen Seidenstraßenzugs aus China

Am 15. Februar traf der erste Güterzug aus China in Teheran ein und wurde vom iranischen Eisenbahnchef Mohsen Pour Seyed Aghaei empfangen. Er erklärte, dieser Abschnitt der geplanten Neuen Seidenstraßenbahn „wird mit Europa verbunden sein, was bedeutet, daß der Hafen von Shanghai in China über den Iran mit Europa verbunden sein wird“.

Der Zug mit 32 Containern brauchte für die Fahrt von Yiwu in der Provinz Zhejiang 14 Tage und fuhr fast 10.000 km weit durch Kasachstan und Turkmenistan. „Die Ankunft dieses Zuges innerhalb von weniger als 14 Tagen ist beispiellos... Dies ist ein wichtiger Schritt für die Erneuerung der Seidenstraße“, sagte er. Der Zug fuhr etwa 700 km am Tag auf dieser ersten Landroute für Güter und brauchte 30 Tage weniger als der bisher übliche Seetransport von Shanghai zum iranischen Hafen Bandar Abbas. Derzeit ist geplant, daß ein Zug im Monat fährt, aber bei Bedarf werden es mehr werden.

Neben Aghaei waren bei der Zeremonie auch die Botschafter Chinas, Kasachstans und Turkmenistans anwesend.

Der frühere indische Botschafter M.K. Bhadrakumar verfaßte dazu einen einsichtsvollen Artikel auf seinem Blog Indian Punchline, wo er auf den Gegensatz zwischen der Ankunft des Seidenstraßenzugs und den fast gleichzeitigen Verhandlungen zur Beendigung des Syrienkonflikts hinweist. Kurzfristig stehe letzteres vermutlich mehr im Rampenlicht der weltweiten Öffentlichkeit, schreibt er, doch „aus historischer Perspektive wird der Seidenstraßenzug den Islamischen Staat um Größenordnungen übertreffen“.