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Neue Solidarität
Nr. 17, 25. April 2012

Cheminade: David braucht Munition für seine Schleuder!

Mit einem neunzigminütigen Internetforum läutete Jacques Cheminade am 15. April die letzte Woche seines Wahlkampfes um die französische Präsidentschaft ein. Er erläuterte die Hauptpunkte seines Programms und beantwortete einen Querschnitt der insgesamt über 100 eingesandten Fragen. Die direkte Beteiligung am Forum lag bei 4000, weitere 2000 sahen es sich in den darauffolgenden 12 Stunden an. Das Forum in seiner ganzen Länge wurde auch auf die Webseite von BFM TV gestellt und ist einsehbar unter http://www.cheminade2012.fr/Meeting-participatif-par-internet-de-Jacques-Cheminade_00797.

Mit seiner Warnung vor sozialer Desintegration und akuter Kriegsgefahr rief Cheminade dazu auf, ab dem 7. Mai nach dem zweiten Wahlgang eine „nationale Widerstandsbewegung“ zu schaffen, um Frankreich und Europa aus dem finanziellen Würgegriff zu befreien. Die einlaufenden Fragen bezogen sich auf die Funktionsweise öffentlichen Kredits, die nicht legitimen Schulden, den Rückzug aus Afghanistan, Zusammenarbeit mit Rußland und China, was mit dem Euro geschehen soll usw.

Während andere Kandidaten in der letzten Wahlkampfwoche große öffentliche Kundgebungen abhalten, führte Cheminade einen neuen politischen Trend ein, indem er als erster ein Forum mit Fragen über Internet abhielt, wie die Medien vermerkten. Cheminades Grund dafür war finanzieller Natur, denn keine Bank in Frankreich wollte seiner Kampagne Kredit einräumen, obwohl der Staat die Ausgaben später übernimmt.

Darüber hinaus laufen seit dem 9. April Cheminades Wahlkampfspots in TV und Radio (insgesamt 43 Minuten, bestehend aus zehn Spots von anderthalbminütiger Dauer und acht Spots mit einer Dauer von dreieinhalb Minuten), zusätzlich zu der gleichlangen Berichterstattung über jeden Kandidaten, zu der die Medien per Gesetz verpflichtet sind. Ein ausgezeichnetes 25-Minuten-Interview auf TF1 wurde von 5 Mio. Zuschauern verfolgt, und das offizielle 16minütige Interview auf France2 sahen schätzungsweise 4 Mio. Zuschauer. Trotz der allgemeinen „Showbusiness-Atmosphäre“ und den wiederholten Unterbrechungen durch zweit- oder drittrangige Fragen der Journalisten konnte Cheminade seine wesentlichen Anliegen vermitteln.

Die Aktivisten vor Ort bewältigen eine Herkulesaufgabe, um ein politisches Netzwerk aufzubauen, mit Ständen in allen Großstädten und der landesweiten Verteilung von einer halben Million Exemplaren der 24seitigen Programmbroschüre. Dazu verschickt der französische Staat mehr als 43 Millionen offizielle Kurzprogramme („professions de foi“) der Kandidaten an alle Wahlberechtigten. In ländlichen Gebieten und unter Wissenschaftlern zeigt man sich für Cheminades Programm besonders offen.

Die „Oligarchie der Inkompetenten“ und ihre Schreiberlinge in den Medien nutzen zwar jeden erdenklichen Trick, um Cheminade zu ignorieren oder lächerlich zu machen - Le Monde weigerte sich sogar, ihn überhaupt zu erwähnen, ähnlich wie früher Diktaturen Köpfe unerwünschter Personen aus Fotografien herausretuschierten -, aber der Geist ist aus der Flasche. Wenn Franzosen von der nächsten Bankenrettung mit Steuergeldern hören, vom nächsten undemokratischen Vorstoß der EU, der nächsten Aufgabe für Ariane oder der Gefahr eines Asteroideneinschlags auf der Erde, werden sie wahrscheinlich an Cheminade und sein Programm denken.

Um das zu fördern, kündigte Cheminade in seinem Internetforum an, daß Solidarité et Progrès für die Wahl zur Nationalversammlung am 10. Juni eine Liste mit 100 Kandidaten aufstellen will, um eine nationale Widerstandsbewegung aufzubauen. Cheminade beendete die Sendung mit einem Appell, ihn im ersten Wahlgang zu wählen und für seine Kampagne zu spenden: „Gebt uns die Steine für Davids Schleuder gegen Goliath!“

ccs